Praxisgemeinschaft Bern-West

Supervision

ImageSupervision ist die Beobachtung, Begleitung, Kontrolle und Anleitung zur Korrektur von therapeutischen und beraterischen Prozessen. Sie wird mit einzelnen oder mehreren Personen durchgeführt. Im Einzelsetting handelt es sich meist um fallbezogene, im Gruppensetting entweder um fall- oder teambezogene Supervision (s. „Teamberatung“). Fallarbeit wird in einem systemischen Kontext meist mit Einsatz audiovisueller Hilfsmittel wie Einwegscheibe und Video dokumentiert und bearbeitet.

Intervision

Während in der Supervision in der Regel eine erfahrene Therapeutin oder ein Berater mit weniger erfahrenen Fachleuten arbeitet, spricht man bei gegenseitiger Beratung und Kontrolle unter erfahrenen FachkollegInnen von Intervision. Hierbei hat sich das von Tom Anderson vorgeschlagene Vorgehen im „Reflecting Team“, wie wir das in unserer Praxis regelmässig praktizieren, sehr gut bewährt.

 

Praktisch läuft die Arbeit im Reflektierenden Team wie folgt ab: In einer ersten Phase führt der zuständige Therapeut mit seinen Klienten (Einzelperson, Paar oder Familie) während 15-30 Min ein Therapiegespräch durch. Dies kann ein Erstinterview sein oder ein Eingangsgespräch während einer laufenden Therapie. Die anderen anwesenden TherapeutInnen wohnen in dieser Phase dem Therapiegeschehen hinter der Einwegscheibe schweigend bei. In der zweiten Phase erfolgt ein Rollentausch: Der Therapeut und seine Klienten gehen hinter die Einwegscheibe, die anderen, bis jetzt beobachtenden Therapeuten nehmen im Therapieraum Platz. Sie dürfen sich nun über ihre gemachten Beobachtungen, Wahrnehmungen und Gedanken frei unterhalten. Da sie nicht der/die TherapeutIn des Klienten sind, dürfen sie die neutrale Position des oft sehr diplomatisch agierenden Interviewers verlassen und "Farbe bekennen", d.h. sie können Partei ergreifen und Advokatus diaboli spielen. Die Konversation gestaltet sich "frisch von der Leber weg". Ihre Äusserungen müssen bei all dem respektvoll bleiben - disqualifizierende oder verletzende Bemerkungen sind nicht statthaft. Hinter dem Einwegspiegel findet kein Austausch statt, weder unter den TherapeutInnen noch unter den KlientInnen. JedeR gibt sich dort ihrem/seinem reflexiven Prozess hin.
Die Konversation im Therapeutenteam dauert ca. 10 - 20 Min., danach folgt die dritte Phase (erneuter Raumtausch): Die Klienten können jetzt unter der moderierenden Leitung ihres Therapeuten laut nachdenken über das, was sie von den TherapeutInnen vernommen haben, und ihre Schlussfolgerungen ziehen. Manchmal ist es sinnvoll, Phase zwei und drei zu wiederholen, d.h. dass sich nacheinander nochmals die TherapeutInnen und die KlientInnen austauschen, oder Phase drei kann auch weggelassen werden. Die Arbeit im ReflectingTeam kann sehr spielerisch gestaltet werden, so dass keine Sitzung der anderen gleicht. Eine Sitzung dauert in der Regel 1 - 1 ½  Std.

Die Arbeit mit dem Reflektierenden Team hat verschiedene Wirkeffekte:
1.    Der/die TherapeutIn kann Rückmeldung über ihre Arbeit bekommen
2.    Der/die TherapeutIn kann vom übrigen Therapeutenteam neue Impulse und Sichtweisen für seine/ihre Arbeit mit dem Klienten/Patienten erhalten
3.    Dem/die KlientIn erhält neue Sichtweisen und neue Lösungsmöglichkeiten für sein/ihr Problem.

Das Besondere am Reflecting Team ist eine Form der Qualitätssicherung, welche TherapeutIn/ Therapeutenteam und Klientensystem simultan und aktiv in den Prozess integriert: Gemeinsam reflektieren Klienten und Therapeuten über das Therapiegeschehen und suchen nach Lösungen. Dies ergibt eine maximale Form der Transparenz: Der Klient erfährt, dass es oftmals nicht die oder eine Lösung zum Problem gibt, sondern mehrere und dass "viele Wege nach Rom führen", d.h. Therapeuten unterschiedlich arbeiten.

Der Haupteffekt bei der Arbeit mit dem Reflektierenden Team liegt in der Präsentation zahlreicher Alternativen zum bisher beschrittenen Weg. Der "verstörende" Impuls von Seiten des Therapeutenteams kann beim Patienten einen Prozess zur Selbstreflexion in Gang setzen, welcher weit über die Sitzung hinaus gehen und heilsam sein kann.
Der Therapeut seinerseits erfährt Unterstützung - allenfalls Korrektur -  neue therapeutische Sicht- und Herangehensweisen durch seine BerufskollegInnen.

 

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